Der Retezat gehört zu den wildesten Gebirgsstöcken der Südkarpaten. Der 1935 gegründete Park war der erste Nationalpark Rumäniens und umfasst heute 383 Quadratkilometer Hochgebirge im Westen der Südkarpaten. Zu verdanken ist er vor allem der Initiative der Professoren Alexandru Borza, des Gründers des Botanischen Gartens von Cluj, und Emil Racoviță.
Hier finden sich mehr als 60 Gipfel über 2.300 Meter, rund 80 Gletscherseen, Bergwälder und alpine Wiesen. Über ein Drittel der rumänischen Flora ist im Retezat zu finden, und 104 Quadratkilometer der Kernzone sind als europäisches Wildnisgebiet zertifiziert. Wer Einsamkeit im Gebirge sucht, wird hier eher fündig als in den überlaufenen Massiven.
Landschaft
Der höchste Punkt des Parks ist der Peleaga mit 2.509 Metern, der tiefste liegt bei etwa 794 Metern in der Nähe der Berghütte Gura Zlata. Dazwischen liegen Täler, Felswände, Geröllhalden und Hochweiden. Die Baumgrenze verläuft bei etwa 1.900 Metern, oberhalb davon herrschen Latschenkiefern, Wiesen, Felsen und Geröll.
Ein Teil des Parks ist seit 1979 UNESCO-Biosphärenreservat. 2008 verlieh der Europarat dem Park das Europäische Diplom für geschützte Gebiete. Gegründet wurde der Park 1935 zunächst auf rund 100 Quadratkilometern. Zu den Besonderheiten zählen etwa 80 Gletscherseen, von denen 54 dauerhaft Wasser führen. Das wissenschaftliche Reservat Gemenele schützt auf rund 1.800 Hektar einen unberührten Urwald.
Tiere und Pflanzen
Die großen Raubtiere Europas leben im Park: Braunbär, Wolf und Luchs, daneben Wildkatze und Rotfuchs. In höheren Lagen sind Gämse und Alpenmurmeltier zu sehen. Unter den Greifvögeln sind Steinadler, Schreiadler, Uhu, Gänsegeier und Mönchsgeier vertreten, in den Fichtenwäldern lebt das Auerhuhn.
Die alpine Flora war der Hauptgrund für die Unterschutzstellung. Zu den seltenen Arten zählen Gletscher-Nelke, Felsenblümchen, Zwerg-Primel und Kohlröschen. Der Retezat ist zudem ein genetisches Zentrum für die Gattungen der Habichtskräuter und der Rispengräser. Bergwälder bestehen vor allem aus Buchen, Fichten und Tannen.
Im Park leben 55 Säugetierarten, fast ein Viertel aller in Rumänien vorkommenden, darunter 13 Fledermausarten. Die Flora umfasst etwa 1.190 Pflanzenarten, von denen 130 als gefährdet gelten.
Wandern
Der Peleaga ist das klassische Ziel für Gipfelstürmer. Im Bergwald des Parks lassen sich mehrtägige Touren zwischen Schutzhütten planen. Das Gebiet gilt auch als Vogelschutz- und Natura-2000-Gebiet, rund 120 Vogelarten brüten hier, darunter Ringdrossel, Zwergschnäpper, Dreizehenspecht und Felsenschwalbe.
In den Höhenlagen ist das Wetter wechselhaft, selbst im Sommer sind Kälteeinbrüche und Gewitter möglich.
Der Park leidet unter Druck von außen: Seit den 1990er Jahren haben Holzeinschlag und Schafbeweidung zugenommen. 2006 sprach der Staat Erben der Familie Kendeffy rund 10.000 Hektar im Retezat zu, 2022 erklärte ein Gericht diese Rückgabe für unrechtmäßig, sodass der Park wieder Staatseigentum ist.
Was man erleben kann
- PeleagaMit 2.509 Metern der höchste Gipfel des Retezat und Ziel vieler Tagestouren von den Hütten aus.
- Wildnisgebiet104 Quadratkilometer der Kernzone sind als europäisches Wildnisgebiet zertifiziert, hier greift der Mensch kaum ein.
- Alpine FloraGletscher-Nelke, Zwerg-Primel und Kohlröschen wachsen auf den hochgelegenen Wiesen.
- BergwälderBuchen, Fichten, Tannen und Zirbelkiefern mit Auerhuhn und Tannenhäher bilden den Waldgürtel unterhalb der Baumgrenze.
- GletscherseenRund 80 Seen glazialen Ursprungs liegen im Park, 54 davon sind dauerhaft.






