Rumänien

Kultur

Volkskunst, Musik, Literatur und Feste von der Doina bis zu Brâncuși.

Rumäniens Kultur verbindet bäuerliche Tradition, orthodoxe Frömmigkeit, die Modernen der Zwischenkriegszeit und die Spuren vieler Minderheiten. Vieles davon ist im Alltag lebendig, nicht nur im Museum.

In Dörfern bestimmt der kirchliche Kalender den Jahreslauf, in Städten gibt es Festivals für Theater, Musik und Film.

Volkskunst und Handwerk

Wahrzeichen der Volkskunst ist die Ie, die bestickte Bluse, die seit 2022 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes steht (gemeinsam mit der Republik Moldau). Berühmt sind außerdem die Keramik aus Horezu, rot und schwarz bemalte Eier aus der Bukowina, Hinterglasikonen aus Nicula und geschnitzte Holztore aus Maramureș.

Teppiche, Webereien und Trachten unterscheiden sich von Region zu Region. Auf Märkten, in Dorfmuseen und etwa im Freilichtmuseum von Sibiu lassen sich die Techniken kennenlernen.

Musik

Die ländliche Musik kennt die Doina, einen frei gesungenen Klagegesang, sowie Tänze wie die Hora und die Sârba. Prägend sind die Lăutari, professionelle Musikerfamilien aus der Roma-Tradition, die auf Hochzeiten und Festen spielen. Zu den typischen Instrumenten gehören Violine, Cimbalom, Panflöte (Nai) und Hirtenflöten.

In der klassischen Musik ragt George Enescu heraus, Komponist, Geiger und Lehrer von Yehudi Menuhin. Zu seinen Werken zählen die Rumänischen Rhapsodien. Ihm zu Ehren findet in Bukarest das George-Enescu-Festival statt.

Literatur und Film

Mihai Eminescu gilt als Nationaldichter. Ion Luca Caragiale schrieb bissige Komödien, Ion Creangă erzählte Märchen und Kindheitsgeschichten. International bekannt wurden Mircea Eliade, Emil Cioran, Eugène Ionesco und Tristan Tzara, ein Mitbegründer des Dadaismus. Paul Celan stammt aus Czernowitz, Herta Müller aus dem Banat und erhielt 2009 den Nobelpreis für Literatur.

Seit den 2000er-Jahren ist das rumänische Kino mit der sogenannten Neuen Welle bekannt. Cristian Mungiu gewann 2007 in Cannes die Goldene Palme für 4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage.

Brâncuși und die Moderne

Constantin Brâncuși (1876–1957) wurde in Hobița im Kreis Gorj geboren, arbeitete in Paris und gilt als Wegbereiter der modernen Skulptur. Seine Formen sind reduziert, oft ausgehend von Holzschnitzerei und bäuerlichen Motiven. Bekannte Werke sind Der Kuss, Vogel im Raum und die Unendliche Säule.

In Târgu Jiu stehen drei seiner Werke aus dem Jahr 1938 als Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs: Tisch des Schweigens, Tor des Kusses und Endlose Säule. Seit 2024 gehört das Ensemble zum UNESCO-Welterbe.

Feste

Am 1. März beginnt mit dem Mărțișor der Frühling; der Brauch steht seit 2017 gemeinsam mit mehreren Nachbarländern auf der UNESCO-Liste. Im Sommer feiert man Sânziene, am 24. Juni, mit Blumenkränzen. Auf dem Gaina-Berg findet im Juli der traditionelle Mädchenmarkt statt.

Zu den größeren Festivals zählen das Internationale Theaterfestival in Sibiu, das Filmfestival TIFF in Cluj-Napoca, Untold und Electric Castle. Kirchliche Feste wie Ostern, Mariä Himmelfahrt und Weihnachten sind die Höhepunkte des Jahres.

Kulturelle Köpfe und Werke

  • Mihai EminescuRomantischer Dichter, gilt als Nationaldichter Rumäniens.
  • George EnescuKomponist und Geiger; die Rumänischen Rhapsodien sind sein bekanntestes Werk.
  • Constantin BrâncușiBildhauer der Moderne; das Ensemble in Târgu Jiu zählt zu seinen Hauptwerken.
  • Herta MüllerSchriftstellerin aus dem Banat, Nobelpreis für Literatur 2009.
  • IeTraditionelle bestickte Bluse, immaterielles Kulturerbe der UNESCO.
  • MărțișorFrühlingsbrauch am 1. März mit rot-weißer Schnur und Anhänger.
  • DoinaFrei gesungene Volksmelodie, Kernstück der ländlichen Musik.