Das Gebiet des heutigen Rumäniens lag über Jahrhunderte zwischen großen Reichen: Römern, Byzanz, dem Königreich Ungarn, dem Osmanischen Reich, den Habsburgern und Russland. Daraus erklärt sich die Vielfalt von Sprachen, Konfessionen und Baustilen.
Der moderne Staat entstand erst im 19. Jahrhundert aus den Fürstentümern Walachei und Moldau, wuchs 1918 mit Siebenbürgen, dem Banat, der Bukowina und weiteren Gebieten zu Großrumänien zusammen und gehört seit 2007 zur Europäischen Union.
Daker und Römer
Im ersten vorchristlichen Jahrhundert schufen die Daker unter König Burebista ein mächtiges Reich, dessen Zentrum in den Bergen von Orăștie lag. Unter Decebalus führte es Kriege gegen Rom. Kaiser Trajan besiegte die Daker in zwei Feldzügen und machte Dakien 106 n. Chr. zur römischen Provinz.
Die Römer gründeten Städte, Straßen und Kastelle, bauten Gold- und Salzbergwerke aus und siedelten Kolonisten an; Hauptstadt der Provinz wurde Ulpia Traiana Sarmizegetusa. In den 270er Jahren gab Kaiser Aurelian die Provinz auf und zog Truppen und Verwaltung über die Donau zurück. Die rumänische Sprache bewahrt als einzige große Balkansprache einen romanischen Kern; die Herkunft der Rumänen aus Dakern und Römern gehört zum nationalen Selbstverständnis.
Fürstentümer und Fremdherrschaft
Nach den Wanderungen der Völkerzeit bildeten sich im 14. Jahrhundert die Fürstentümer Walachei und Moldau, während Siebenbürgen zum Königreich Ungarn gehörte. Walachische und moldauische Fürsten wie Mircea der Alte, Vlad Țepeș und Stephan der Große widersetzten sich dem Vordringen der Osmanen, mussten sich später aber deren Oberhoheit beugen.
Im Jahr 1600 vereinte Michael der Tapfere für kurze Zeit die drei Länder. Nach der Niederlage der Osmanen vor Wien 1683 fiel Siebenbürgen 1699 im Frieden von Karlowitz an die Habsburger, das Banat folgte 1718. Die Bukowina kam 1775 hinzu, Bessarabien 1812 an Russland.
Nationalstaat und Königreich
1848 erhoben sich Rumänen in der Walachei, der Moldau und in Siebenbürgen für Freiheit und Einheit. 1859 wählten Moldau und Walachei Alexandru Ioan Cuza zum gemeinsamen Fürsten, 1862 entstand der Staat Rumänien. 1866 kam Karl von Hohenzollern-Sigmaringen als Carol I. auf den Thron, 1877 erklärte das Land im Zuge des Russisch-Türkischen Krieges seine Unabhängigkeit.
1881 wurde Rumänien Königreich. Im Ersten Weltkrieg trat es 1916 auf Seiten der Entente ein. 1918 beschlossen in Chișinău, Cernăuți und Alba Iulia Versammlungen den Anschluss von Bessarabien, der Bukowina und Siebenbürgen; es entstand Großrumänien.
Zweiter Weltkrieg und Kommunismus
Im Zweiten Weltkrieg verlor Rumänien 1940 Bessarabien, die Nordbukowina, Nordsiebenbürgen und die Süddobrudscha. Unter Marschall Ion Antonescu kämpfte das Land zunächst an der Seite Deutschlands, am 23. August 1944 wechselte König Michael I. die Seiten. Nach dem Krieg erzwang die Sowjetunion die Machtübernahme der Kommunisten, 1947 musste der König abdanken.
Von 1965 bis 1989 regierte Nicolae Ceaușescu zunehmend diktatorisch, mit Personenkult, Mangelwirtschaft und der Geheimpolizei Securitate. Im Dezember 1989 stürzte ihn eine Revolution, die in Timișoara begann. Am 25. Dezember wurde er hingerichtet.
Wende, NATO und EU
Nach 1989 folgte ein schwieriger Weg zu Demokratie und Marktwirtschaft mit Privatisierungen, Armut und Abwanderung. 2004 trat Rumänien der NATO bei, am 1. Januar 2007 der Europäischen Union.
Heute ist es Mitgliedstaat mit einer wachsenden Wirtschaft, einem starken IT-Sektor und mehreren Millionen Menschen, die im Ausland leben und arbeiten.
Prägende Politiker der Nachwendezeit waren Ion Iliescu und Emil Constantinescu; Klaus Johannis ist seit 2014 Staatspräsident. Rumänische Fachkräfte arbeiten heute in Deutschland, Italien, Spanien und anderen EU-Ländern, während Städte wie Cluj-Napoca und Timișoara durch IT, Hochschulen und Zuzug schnell gewachsen sind.
Zeittafel
- 106 n. Chr.Kaiser Trajan macht das Reich der Daker zur römischen Provinz Dakien.
- 14. JahrhundertGründung der Fürstentümer Walachei und Moldau.
- 1457–1504Regierungszeit Stephans des Großen in der Moldau.
- 1600Michael der Tapfere vereint kurzzeitig Walachei, Moldau und Siebenbürgen.
- 1699Siebenbürgen kommt im Frieden von Karlowitz an die Habsburger.
- 1859–1862Doppelwahl Cuzas und Gründung des Staates Rumänien.
- 1877–1881Unabhängigkeit und Ausrufung des Königreichs.
- 1. Dezember 1918Versammlung von Alba Iulia: Siebenbürgen schließt sich Rumänien an.
- 1947Abdankung König Michaels, Beginn der kommunistischen Herrschaft.
- Dezember 1989Revolution, Sturz und Hinrichtung Ceaușescus.
- 2004 und 2007Beitritt zur NATO und zur Europäischen Union.