Rumänien

Donaudelta

Delta Dunării · Delta Dunării

Europas am besten erhaltenes Delta: Schilf, Seerosen, Auwälder und große Pelikankolonien.

Region
Dobrudscha
Kreis
Kreis Tulcea
Schutzstatus
Biosphärenreservat seit 1990, UNESCO-Welterbe seit 1993
Fläche
ca. 3.446 km² im rumänischen Delta; mit den Lagunen Razim-Sinoie ca. 5.165 km² insgesamt
Mündungsarme
Chilia, Sulina, Sfântu Gheorghe
Schilfgebiet
ca. 1.800 km², das größte zusammenhängende der Welt
Arten
ca. 5.200 Tier- und Pflanzenarten erfasst
Vogelarten
über 320 im Sommer, davon 166 Brutvögel
Koordinaten
45,20° N · 29,50° O
Cañas (Phragmites australis), Delta del Danubio, Rumanía, 2016-05-28, DD 18
Foto: Diego Delso · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Wo die Donau nach rund 2.800 Kilometern ins Schwarze Meer mündet, fächert sie sich zu einem Labyrinth aus Armen, Kanälen, Seen und schwimmenden Schilfinseln auf. Das Donaudelta ist nach dem Wolgadelta das zweitgrößte Delta Europas und gilt als das am besten erhaltene des Kontinents. Der größte Teil liegt in Rumänien, ein kleinerer Teil in der Ukraine.

Die Landschaft ist flach und wasserreich, Straßen gibt es kaum. Man bewegt sich per Boot durch Schilfkanäle, vorbei an Fischerdörfern und Sandstränden. Rund 5.200 Tier- und Pflanzenarten wurden im Reservat erfasst, darunter Europas größte Kolonie des Rosapelikans. Für Vogelkundler ist das Delta eines der wichtigsten Ziele Europas.

Landschaft

Kurz vor Tulcea beginnt die Aufteilung der Donau in drei Hauptarme. Der Chilia-Arm bildet im Norden die Grenze zur Ukraine, der Sulina-Arm in der Mitte ist als Schifffahrtsweg ausgebaut, der Sfântu-Gheorghe-Arm im Süden fließt in weiten Schleifen. Dazwischen liegen Lagunen, Altarme, Auwälder und Sanddünen am Meer.

Südlich schließt sich der Lagunenkomplex Razim-Sinoie an, der geologisch und ökologisch zum Delta gehört. Das Reservat enthält mit etwa 1.800 Quadratkilometern das weltweit größte zusammenhängende Schilfgebiet. Die eng verzahnten Lebensräume aus Röhricht, schwimmenden Inseln, Seen, Auwald und trockenen Dünen bilden ein Netz von mehr als 30 Ökosystemen.

Das Delta ist eine flache Schwemmlandebene, deren mittlere Höhe nur gut einen halben Meter beträgt; rund ein Fünftel liegt unter dem Meeresspiegel. Die höchsten Erhebungen sind die Sanddünen von Letea (12,4 m) und Caraorman (7 m). Zu den größten Seen zählen Dranov, Roșu und Gorgova. Der Chilia-Arm ist der längste und jüngste der drei Arme, der Sulina-Arm der kürzeste, der Sfântu-Gheorghe-Arm der älteste.

Tiere und Pflanzen

Das Delta liegt dort, wo mitteleuropäische Wälder, der Balkan und der Mittelmeerraum aufeinandertreffen. Das erklärt die hohe Artenzahl. Im Reservat brütet die größte Kolonie des Rosapelikans in Europa, dazu die zweitgrößte Kolonie des Krauskopfpelikans.

Mehr als 320 Vogelarten wurden im Sommer im Delta gezählt, über eine Million Wasservögel wie Schwäne, Enten und Blässhühner überwintern hier. Zu den Brutvögeln zählen Löffler, Purpurreiher, Silberreiher, Zwergscharbe und Sichler. In den Gewässern leben Karpfen, Hecht, Zander, Wels sowie Sterlet und Hausen, im Schilf Fischotter und Europäischer Nerz. Ab den 1960er Jahren wurden große Flächen für die Landwirtschaft trockengelegt, bis 1986 ging dadurch etwa ein Fünftel des natürlichen Lebensraums verloren.

Schutzstatus

Rumänien erklärte 1990 als erster Donauanrainer seinen Teil des Deltas zum Biosphärenreservat. 1991 kam die Aufnahme in die Ramsar-Liste der Feuchtgebiete hinzu, 1993 nahm die UNESCO das Gebiet in die Welterbeliste auf. Der ukrainische Teil ist seit 1998 ebenfalls Biosphärenreservat.

Mit dem von der Umweltorganisation WWF initiierten Grünen Korridor der unteren Donau verpflichteten sich Rumänien, Bulgarien, die Republik Moldau und die Ukraine im Jahr 2000 zum Schutz und zur Renaturierung der Feuchtgebiete. Ölunfälle, Eingriffe in Schifffahrtswege und Wilderei belasten das Gleichgewicht weiterhin.

Was man erleben kann

  • Sulina-ArmDer mittlere Donauarm ist als Schifffahrtsweg ausgebaut und führt bis zur Hafenstadt Sulina am Schwarzen Meer.
  • PelikankolonienDer Rosapelikan hat hier seine größte europäische Kolonie, der Krauskopfpelikan seine zweitgrößte.
  • SchilfkanäleIm Inneren des Deltas fährt man mit dem Boot durch enge Kanäle zwischen Schilf, Seerosen und schwimmenden Schilfinseln, den Plaur.
  • Chilia- und Sfântu-Gheorghe-ArmDer nördliche Arm, der längste und jüngste, bildet die Grenze zur Ukraine, der südliche Sfântu-Gheorghe-Arm ist der älteste und am dünnsten besiedelte der drei Arme.
  • Lagunen Razim-SinoieSüdlich des eigentlichen Deltas liegt ein großes Lagunensystem, das mit dem Delta als Welterbe geführt wird.
  • Dünen von LeteaMit 12,4 Metern bilden die Sanddünen bei Letea den höchsten Punkt des Deltas.